UNSERE OZEANE – der Film; Regie: Jacques Perrin
Originaltitel: Oceans
Nach dem Erscheinen des grandiosen Naturfilms UNSERE ERDE unter der Regie von Alastair Fothergill, war es nur eine Frage der Zeit, bis erneut ein Kamerateam den derzeitigen Boom von Naturdokumentationen aufgreift und medienwirksam fortführt. Jedoch weder zu Lande noch in der Luft geht es diesmal zu Werke, nein die Schauspieler und Erfolgsproduzenten Jacques Perrin und Jacques Cluzaud (u.a. MIKROKOSMOS, NOMADEN DER LÜFTE) begeben sich mit spektakulären Bildern auf Tiefseefahrt.
Indes melden sich, angesichts der Schwemme an Dokumentationen, jedoch radikale Naturschützer immer vehementer zu Wort, die ein generelles Umdenken fordern. Aus deren Sicht wäre es vernünftiger, die Tiere nicht weiter zu stressen, indem sie regelrecht vor die Schweinwerfer bzw. Linsen gezwungen werden! Und damit haben sie gar nicht so unrecht!
Wer es möchte, findet zu den übergreifenden Themen genügend Informationen und Wissen in bereits existierenden Publikationen und braucht beispielsweise keine neuen Fotos von den weltweit nur noch 3000 Exemplaren des Schneeleoparden. Mit regelrechten Fotofallen wird auf die schöne Katze “Jagd” gemacht. Dabei wird dann im Schnitt in fünf Monaten ein Foto geschossen… (zu sehen u.a. auf der World Press Photo Foundation-Ausstellung in Leipzig)
Gerade wenn seltene und zudem vom Aussterben bedrohte Arten im Blickpunkt stehen, hat man somit zunehmend das Gefühl, als gäben sich die Filmteams -bildhaft gesprochen- die Kamera in die Hand.
Eine verstärkte Technologisierung des Genres führt außerdem dazu, dass sich die Produzenten, ohne Rücksicht auf Verluste, mit Höchstleistungen geradezu überbieten. Nach ihrer Aussage will das der Zuschauer. Ohne diesen Aufwand im Vorfeld ist der nicht mehr ins Kino zu locken…??
Und da hat jene Lobby wohl gleichfalls die Zeichen der Zeit erkannt, denn dabei geht es in erster Linie um Geld, um sehr viel Geld – was damit zu verdienen ist. Aber wirtschaftliche Interessen waren schon immer “Der Hasen Tod”. Insofern: “Nichts im Westen”!
Zwei Drittel der Erde sind von Wasser bedeckt und damit dem direkten Blicken des Menschen entzogen. Der für uns lebensfeindliche Raum bietet eine faszinierende Artenvielfalt, die von der Natur mit teilweise unvorstellbaren Fähigkeiten ausgestattet ist. Um jedoch den Geheimnissen zumindest ein stückweit auf die Spur zu kommen, war erneut ein langwieriger Entstehungsprozess erforderlich.
Die Dokumentation UNSERE OZEANE verlangte nicht nur den involvierten Kamaraleuten alles ab, sondern auch dem verwendeten Equipment. Im Zeitraum von vier Jahren und nur mit Hilfe spezieller, hochkomplizierter Kamerasysteme konnten dann diese überwältigenden Unterwasseraufnahmen realisiert werden.
Im Kinofilm UNSERE OZEANE werden u.a. pfeilschnelle Delphine, anmutige Wale sowie Schwärme mit tausenden von Heringen ins Kameravisier genommen. Außerdem gibt es mikroskopisch winzige Kleinstlebewesen zu bewundern, die in unendlich erscheinenden Tiefen und in absoluter Dunkelheit existieren – können und damit der Wisssenschaft immer wieder Rätsel aufgeben. Somit begegnet der Zuschauer in der Dokumentation Bewohnern der Weltmeere, die er bereits kennt, solche über die wir bislang nur wenig wissen und einige – welche es nun erst zu entdecken gibt.
Es ist eine Dramaturgie, die vom ewigen Rauschen des Meeres bestimmmt wird und so kommen sensationelle Momentaufnahmen von geradezu atemberaubenden Schönheit auf die Leinwand, welche durch sich selbst getragen werden bzw. die man nicht so schnell vergisst:
Ein majestätisches Tauchballett der Buckelwale oder das Widerspiegeln der über dem Horizont abgeschossenen Weltraumrakete in den Augen einer Meerechse, sind dabei nur ein paar der Highlights aus dem Film UNSERE OZEANE.
Somit sind zumindestens für knapp zwei Stunden Mensch, Natur und Technik wieder miteinander versöhnt. Der begleitende und bewegende Soundtrack stammt von Komponisten Bruno Coulais. Er schrieb bereits die Musik zu den Filmen MIKROKOSMOS und DIE KINDER DES MONSIEUR MATHIEU.
Aber Jacques Perrin und Jacques Cluzaud haben es sich mit der Dokumentation UNSERE OZEANE gleichfalls zum Ziel gesetzt, auch auf die desaströse Entwicklung durch die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere und dem daraus folgenden, ozeanischen Artensterben hinzuweisen. Sie wollen uns für das Thema weiter sensibilisieren und durch die Mittel der Ästhetik, dem Blick “hinter den Spiegel” bzw. unter die Wasseroberfläche, gleichwohl und ökologisch-kritisch nachhaken…um wenigstens ansatzweise bei den Kritikern dieses Genere die Wogen zu glätten…
Fazit: tolle Bilder, klasser Soundtrack – einfach anschauen!
Die Erscheinungstermin für die DVD zum Film UNSERE OZEANE steht noch nicht fest.
Frankreich 2009
Kinostart: 25.2.2010
Regisseur: Jacques Perrin, Jacques Cluzaud
Produzent: Jacques Perrin, Nicolas Mauvernay
Drehbuch: Jacques Perrin, Jacques Cluzaud, Laurent Debas, Stéphane Durand, Laurent Gaudé, Francois Sarano
Kamera: Luc Drion, Luciano Tovoli, Philippe Ros, u.v.a.
Schnitt: Catherine Mauchain, Vincent Schmitt
Laufzeit: 100 Min.
FSK: frei
Studio/Verleih und Bildnachweis: Universum Film
Hab den Trailer im TV gesehen und war wirklich beeindruckt. Den werd ich mir wohl als DVD zum späteren Zeitpunkt ansehen.