LET’S MAKE MONEY – der Film; Regie: Erwin Wagenhofer
Gerade als das Medieninteresse um die Bankenkrise 2009 ihren Höhepunkt erreichte, erschien Erwin Wagenhofer`s neue, spektakuläre Dokumentation LET’S MAKE MONEY in den Kinos. Darin schaut der Regisseur hinter die Kulissen der bunten Prospektwelt von Banken und Versicherern, oder anders ausgedrückt: dem globalen Finanzsystem unter den Rock. ;)
Nach Wagenhofer`s brisanter Doku WE FEED THE WORLD – ESSEN GLOBAL, worin er die Nahrungsmittelpolitik und da im Besonderen die der Industriestaaten auf das Schärfste kritisierte, folgt er in LET’S MAKE MONEY den Spuren unseres Geldes im weltweiten Finanzdickicht. Sein ernüchterndes Fazit: Alle haben die Krise kommen sehen, nur hat es keinen interessiert, solange die Rendite stimmt!
Und wer denkt, wir hätten jetzt 2010, das Gröbste hinter uns, der irrt gewaltig! Denn noch immer sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise deutlich zu spüren. Wenn man nur an die aktuellen Forderungen deutscher Großunternehmen (Opel, Karstadt etc.) nach staatlichen Finanzspritzen denkt, scheint eine Ende der rasanten wirtschaftlichen Talfahrt nicht in Sicht!
Schlimmer noch – ungeachtet dessen gehen schon wieder einige Banken dazu über, mit dem “frischen Kapital” aus unseren Steuermitteln, erneut und ohne “Lerneffekt” an der Wertvernichtungsmaschine weiter zu arbeiten.
Dass die großen Wirtschaftszentralen die Strippen fest in der Hand halten, während die Regierungen mehr oder weniger machtlos zuschauen, haben ja schon Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem “Manifest” vor rund 160 Jahren analysiert. Das nunmehr auch die sozialen Strukturen, wie etwa die Altersvorsorge oder die Trinkwasserversorgung in zunehmendem Maße privatisiert werden und es dadurch für viele Menschen immer existens-und lebensbedrohender wird, ist allerdings ein neuzeitlicher Fakt der kapitalistischen Gesellschaft, den die beiden Herren bei all ihrer Weitsicht nicht erkennen konnten…! Und davon sind wir alle direkt betroffen!
Genau hier hakt die Dokumentation LET’S MAKE MONEY ein , denn wir erleben keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise – paradoxerweise hervorgerufen durch unser Geld!
“Das ist, als ob Sie im Auto sitzen und mit 200 Stundenkilometern durch die Gegend fahren. Je länger Sie das tun, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Unfall provozieren. Gegen die Finanzkrise hat niemand etwas getan – wissend, dass sowieso immer die Allgemeinheit bezahlt.” (Erwin Wagenhofer)
Ja, was hat eigentlich die Altersvorsorge z.B. mit Immobilien-Käufen in Spanien zu tun? Warum sollten wir dort ein Haus kaufen, um “dabei zu sein“? Und sobald wir ein Konto eröffnen, klinken wir uns automatisch in die weltweiten Finanzmärkte ein…ob wir es nun wollen oder nicht. Die Banken speisen dann unsere teilweise sehr sauer verdienten Euros, Dollars etc. in den globalen Geldkreislauf ein…!
Jedoch was geschieht damit? Möglicherweise verleihen die Kreditinstitute, Versicherer und Rentenfonds das Geld mit einer sogenannten “Gewinnmaximierung” gleichfalls an Spekulanten und dubiose Geldverwerter?!
Somit ist der Kunde nicht nur von den Tageskursen an den Weltbörsen, sondern auch von den “Tagesformen” der Broker und Finanzberater abhängig.
Der kleine Mann weiß nicht wo, wie und wovon “die Schuldner” leben, die von den Krediten provitieren und was diese tun, um die Zinsen eines Tages bezahlen zu können. Alles bleibt irgendwie im Verborgenen und wir können nur vertrauen. Doch wie heißt es so schön: “Vertrauen ist gut, Kontrolle w ä r e besser! Aber weit gefehlt!
Erst wenn die Spitze des Eisbergs sichtbar ist, das schöne Oberdeck des Schiffs zerschrammt wird, dann geht wieder der Aufschrei nach mehr “Kontrolle” durch die Medien und Sitzungssäle der Politik. Dabei wissen wir doch alle: Kapital lässt sich nicht kontrollieren, denn darauf beruht schließlich das Gesetzt des Kapitalismus…dem Gesetzt des “vogelfreien” Marktes!
“Lassen Sie ihr Geld arbeiten!”
Welch blödsinniger Spruch! Geld kann nicht arbeiten! Arbeiten, Werte schaffen – dies können nur Menschen, Tiere oder Maschinen! Viel treffender ist doch der Spruch von Jimmy Durante:
“Die meisten Menschen werden nur deswegen nicht reich, weil sie vor lauter Arbeit keine Zeit zum Geldverdienen haben”
Wenn es einen Film gibt, der eine Revolution auslösen kann, dann ist es dieser!” titelte das Magazin “Cinema”
Natürlich, Kritik an den Auswüchsen von Kapitalismus und Globalisierung zu üben fällt in diesen Tagen leicht. Die Komplexität der globalen Vernetzung von Waren- und Kapitalströmen darzustellen, ist dagegen schwer. Trotz Medienpräsenz allerorts und den anscheinend schier unerschöpflichen Möglichkeiten des Datenmissbrauchs bleibt der finanzielle Überblick bzw. Durchblick nur einer elitären Schicht vorbehalten, die sich nur ungern in die Geldsäcke schauen lässt.
Diesen Blick wagt Erwin Wagenhofer in seinem Film LET’S MAKE MONEY und reiht sich damit in die Riege der ganz Großen des Dokugeschäfts ein. Aber letztendlich bleibt es -natürlich- ein Episodenfilm, der nur einzelne Themen herausgreift und der auch nur schlaglichtartig die Aspekte der Globalisierung von Finanzmärkten beleuchten…kann! Trotzdem: sehr ansehendwert!
Die DVD zum Film LET’S MAKE MONEY: ab 18. Juni 2009 im Handel.
Österreich 2008
Kinostart: 30.10.2008
Regie: Erwin Wagenhofer
Laufzeit: ca. 110 Min.
Studio/Verleih und Bildnachweis: Allegro Film/ Delphi Filmverleih
Ich schlage auch I.O.U.S.A. vor. Ein Dokumentar über die Verschuldung in der U.S.A., von Sommer 2008..
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