geschrieben von Jens Klawonn am 20.Nov 2008
 LA BOHÈME

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LA BOHÈME – die Oper mit Anna Netrebko; Regie: Robert Dornhelm

“Die Oper ist tot, es lebe die Oper”! Ein Satz wird Programm!

Und somit kann dieser abgewandelte Spruch König Ludwigs auf die Opernverfilmung von Robert Dornhelm (u.a. COLD FEED) getrost angewandt werden, denn keine Geringere als Anna Netrebko ist in Puccinis wohl romantischster Oper zu sehen und vor allem – meisterlich zu hören!

Anna Netrebko ist auf allen großen Bühnen der Welt present und tritt in den berühmtesten Opernhäusern auf. Die Karten sind stets ausverkauft und heiß begehrt. Ob in der Metropolitan Opera New York, der Wiener Staatsoper oder im Londoner Royal Opera House – Anna Netrebko gilt als Popstar der Opernszene und wird als solcher gefeiert.
Entsprechend kostenintensiv, wie bei allen großen Künstlern, sind die Preise für ihre Auftritte. Um Anna Netrebko ganz entspannt und viel preiswerter genießen zu können, gibt es nun eine Alternative: der Kino-DVD-Opernfilm LA BOHÈME.

Indes ihr eigentliches Fernseh-bzw. Filmdebüt hatte Anna Netrebko bereits 2006 im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft. Zusammen mit Plácido Domingo und Rolando Villazón gab sie ein Konzert, welches durch die TV Übertragung bisher als das weltweit am meisten gesehene Klassik-Event-Konzert gilt.

LA BOHÈME

In Paris, Mitte des 18. Jahrhunderts, leben vier Künstlerfreunde in einer armseligen Mansarde. Der Dichter Rodolfo (Rolando Villazón), der Maler Marcello (George von Bergen), der Musiker Schaunard (Adrian Eröd) und der abgeklärte, etwas brummige Philosoph Colline (Vitalij Kowaljow). Alle sind typische Bohemiens.
Sie haben keinen Pfennig Geld, sind jedoch voller Lebenshunger. Den Weihnachtsabend verbringen drei von ihnen im Stammcafe Momus. Nur Rodolfo bleibt zurück, um noch ein wenig zu lesen.
Da klopft plötzlich die bildschöne, sehr kranke Nachbarin Mimi (Anna Netrebko) an die Tür, um Licht für ihre erloschene Kerze zu erbitten….

LA BOHÈME – die Filmkritik

Um es auf den Punkt zu bringen: …das ist nicht nur ein bekanntermaßen gehöriger Klassiker, sondern ein Augenschmaus obendrein. Denn unzweifelhaft für die erfolgreiche Verfilmung Giacomo Puccinis Oper LA BOHÈME, die zudem nicht nur reine Opernfans ansprechen dürfte, ist das Mitwirken der großartigen Sopranistin Anna Netrebko. Sie verzaubert den Zuhörer und Zuschauer durch ihre klangvolle, überragende Stimme und bietet “nebenher” sogar etwas für`s Auge. Und dafür…wird Kino gemacht! ;)

Die Geschichte vom bettelarmen Schriftstellers Rodolfo und der schönen aber todkranken Frau, wurde ihr im Nachhinein interpretatorisch sozusagen auf den Leib geschrieben. Dass die Diva-Qualitäten des Opernstars dabei eine eher hausbackene Inszenierung überstrahlt, kann der Regisseur Robert Dornhelm auf die “leichte Schulter” nehmen und als zusätzlichen Pluspunkt verbuchen.
Der Film kann seine Bühnenherkunft nicht leugnen…aber weshalb auch?! Die Oper gilt gemeinhin als die höchste Kunstform. Insbesondere weil sie Schauspiel, Musik, Malerei und Tanz verbindet. Diese Einschätzung stammt jedoch aus einer Zeit, in der es die bewegten Bilder noch nicht gab. Deshalb wird es immer schwierig bleiben, die beiden Genre unter einen Hut, sprich auf die Leinwand zu bekommen.

Für das Kino der musikalisch großen Gefühle kann die Verfilmung der Oper LA BOHÈME – aus meiner Sicht – nur ein Zugewinn sein. Die Musik mit Aufnahmen unter dem Dirigat von Bertrand de Billy geht ans Herz und rührt beinah zu Tränen. Selbst 109 Minuten in italienischer Sprache mit deutschem Untertitel und die etwas biedere, filmische Umsetzung können dem Kino-Opern-Highlight nichts anhaben.

Ich freue mich jedenfalls schon jetzt auf die dazu erscheinende DVD. Diese wird hoffentlich eine exzellente(re) DTS oder Dolby Digital–Soundabmischung beinhalten als jene, die im Originalkinofilm zu hören war. Denn einen kleinen Wermutstropfen gibt es: produziert wurde  im Playbackformat. D.h.: die Stimmen, obwohl alle Darsteller erkennbar singen, kommen nur vom Band.
Alle Originalaufnahme stammt aus einer Aufzeichnung der konzertanten Aufführung von LA BOHÈME in der Münchener Philharmonie am Gasteig.
Zudem wurden der Musik, leider ziemlich unprofessionell, im Nachhinein seltsame Knarr- und Quietschgeräusche untergemischt. Sie sollen wohl ein flackerndes Feuer, Schritte auf Dielenbrettern oder das Stöhnen einer Chaiselongue zu Gehör bringen. Das stört jedoch und trübt in diesem Fall den puren Musikgenuss…

DVD & BLU-RAY Disc zum Opernfilm

Die DVD zur Oper LA BOHÈME: ab 23. Oktober 2009 im Handel.

Deutschland/Österreich 2008
Kinostart : 23. Oktober
Regie: Robert Dornhelm
Drehbuch: Giuseppe Giacosa, Luigi Illica
Darsteller: Anna Netrebko (Mimi), Rolando Villazon (Rodolfo), Nicole Cabell, George von Bergen, Adrian Eroed, Vitalj Kowaljow
Länge 109 min

Studio/Verleih und Bildnachweis: NFP

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