GIULIAS VERSCHWINDEN – der Film; Regie: Christoph Schaub
Der schweizer Schriftstelller und Drehbuchautor Martin Suter ist im Moment in aller Munde. Nach der gleichnamigen Verfilmung seines Romans “Lila Lila“ durch den Regisseur Alain Gsponer und mit Daniel Brühl, Hannah Herzsprung sowie Henry Hübchen in den Hauptrollen, kommt unter der Regie von Christoph Schaub GIULIAS VERSCHWINDEN in die Kinos.
Auf verschiedenen Festivals, u.a. im August 2009 auf dem “Film Festival Locarno”, erhielt der Film bereits zahlreiche Auszeichnungen (Publikumspreis, Audience Award). In der Schweiz produziert und mit über 150.000 Premierebesuchern, ist GIULIAS VERSCHWINDEN zudem der erfolgreichste Film des vergangen Jahres. Pressestimmen:
“In diesem Film macht jede Minute Spass.” (www.outnow.ch); “Federleicht, detailfein und glänzend gespielt. Wohltuend zum Lachen! (nzz am sonntag); Beschwingter Kinogenuss, dank glänzend aufgelegtem Ensemble und funkelnden Dialogen. (berner zeitung) u.s.w., u.s.w.
Ursprünglich war das Drehbuch für den 2006 verstorbenen schweizer Film- und Opernregisseur Daniel Schmid (u.a. HEUTE NACHT ODER NIE) vorgesehen, der zu Beginn der 70er mit Rosa von Praunheim, Rainer Werner Fassbinder und Werner Schroeter zusammengearbeitet hat. Suter hatte schon mehrfach mit Schmid Projekte auf den Weg gebracht, so auch seinen wohl populärsten Film BERESINA. Eine fiktive Satire über den Umsturzversuch in einer totalitär regierten Schweiz.
Der Film GIULIAS VERSCHWINDEN ist eine dialoglastige Komödie, die mehrere und zeitgleiche Erzählstränge zum Thema: das Alter und die daraus reflektierenden Auswirkungen auf die Menschen miteinander verwebt. Als Kontrastprogramm werden die Schwierigkeiten aufgezeigt, welche die jüngere Generation hat, um mit den von den “Alten” an sie gestellten Anforderungen klar zu kommen.
Als Giulia (Corinna Harfouch, u.a. IS THIS LOVE) anlässlich ihres fünfzigsten Geburtstages auf dem Weg zu einer Feier mit ihren Freunden ist, erklärt ihr eine alte Frau, die sich im Bus neben Giulia setzen möchte und von dieser im Gedränge fast übersehen wird, dass dieser Umstand nicht schlimm sei, denn der fortschreitende Alterungsprozess macht ihrer Ansicht nach, dass Individum für andere Menschen faktisch unsichtbar.
Noch ganz in Gedanken über diese Aussage und in die Beobachtung von zwei jungen Mädchen versunken, erkennt Giulia plötzlich ihr eigenes Spiegelbild in den Busscheiben nicht mehr und stürmt in einer Panikattake verwirrt ins winterliche Zürich – direkt in das nächste Optikergeschäft… ;)
Dort trifft sie auf den erfolgreichen Hamburger Finanzmakler John (Bruno Ganz, u.a. DER UNTERGANG) der sofort heftig mit ihr zu flirten beginnt. Daraufhin ändert Giulia ihre Pläne für den Abend…
Während zur selben Zeit die wartenden Geburtstagsgäste in einem italienischen Restaurant über die Themen Liebe, Alter und den Sinn des Lebens philosophieren, sitzt Giulia mit dem durchgestylten sowie mit weggeschminkten Zeichen des Alterns versehenen John an einer gemütlichen Bar und lässt sich, charmant sowie humorvoll in ein sinnliches Gespräch über die verschiedenen Varianten dem Älterwerden ein Schnippchen zu schlagen, verwickeln…
Und fast nebenbei bemerkt Giulia, dass es für die Liebe -eigentlich- nie zu spät ist. Unvermittelt fällt der erste Kuss und während ihre Freunde warten, wird aus Fremden ein Paar.Einen dramaturgischen Schnitt weiter ist die ältere Dame aus dem Bus in einem Altersheim gleichfalls zu einem Geburtstag eingeladen und die beiden junge Mädchen, die Giulia am Anfang des Film beobachtet hat wie jene über Jungs schwatzen und feststellten, dass “30″ im Zusammenhang mit Alter für sie eine unvorstellbare Zahl ist, werden beim Ladendiebstahl erwischt…
Bekanntlich bieten gern runde Geburtstage und erst recht im fortgeschrittenen Alter, Gelegenheit und Anlass über das Vergangene bzw. das was die Zukunft -noch- bringen mag, zu debattieren oder gar zu lamentieren.
Und eigentlich “verschwindet” Giulia ja nicht, selbst wenn es als Solches von ihr vielleicht empfunden wird.
Die Menschen werden nur ein zeitlich immer gleichbleibendes Stück älter und dies wiederum ist nicht wirklich schlimm – höchstens bzw. manchmal ein bisschen “lästig”! ;)
Tja und dann kann anscheinend selbst die beste Brille nicht mehr für den nötigen Durchblick sorgen um zu erkennen, dass einfach jedes Alter schöne und begehrendswerte Seiten hat.
Was lag also näher als einen Film oder besser, eine Komödie darüber zu machen. Regisseur Andreas Dresen hat es mit dem Drama WOLKE 9 begonnen, Leander Haußmann führt die Thematik in seiner Komödie DINOSAURIER-GEGEN UNS SEHT IHR ALT AUS fort und jetzt Christoph Schaub (u.a. STILLE LIEBE) mit der Tragikkomödie GIULIAS VERSCHWINDEN.
Was letztendlich aus dieser inhaltlich irgendwie ein bisschen auch müßigen Debatte geworden ist, könnte als eine eher gemütliche bzw. bittersüße Persiflage bezeichnet werden. So kann das Tempo der Inszenierung mit den schnellen und exakt pointierten Dialogen nicht mithalten und auch die verschiedenen Handlungsstränge werden mal mehr oder weniger gekonnt ineinander verwoben.
Getragen wird der Film deshalb hauptsächlich von den Darstellern. Allen voran ist dabei Corinna Harfouch und natürlich Bruno Ganz zu erwähnen. Den letzteren Protagonisten schätze ich persönlich ohnehin und so hatte “John” bei mir eine Art “Heimspiel” – was zudem sehr ansehenswert war!!
Fazit: Für mich ist GIULIAS VERSCHWINDEN insgesamt und trotzdem bzw. nicht nur wegen Bruno Ganz eine geistreiche bzw. unterhaltsame Komödie, die trotz kleinerer Schwächen und strapazierter Klischees, überaus warmherzig die Sehnsucht nach ewiger Jugend ausdrückt.
Meine Empfehlung!
Die zum Film GIULIAS VERSCHWINDEN: ab 1. Juni 2010 im Handel.
Schweiz 2009
Kinostart: 4. Februar 2010
Regie: Christoph Schaub
Drehbuch: Martin Suter
Darsteller: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, Sunnyi Melles, André Jung
Kamera: Filip Zumbrunn
Schnitt: Marina Wernli
Musik: Balz Bachmann
Laufzeit: 87 Minuten
Studio/Verleih und Bildnachweis: Warner/X-Verleih
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