geschrieben von Reto Stuber am 29.Sep 2009
 FOOD, INC.

FOOD, INC.

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FOOD, INC. – der Film; Regie: Robert Kenner

“Du wirst dein Essen nie mehr mit den selben Augen sehen”, fordert das Kinoplakat heraus und zeigt eine schwarz-weiß gescheckte Kuh mit aufgedrucktem Barcode. Und der Film FOOD, INC. hält sein Versprechen!

Autor und Regisseur Robert Kenner scheut dieses heiße Eisen nicht und legt sich in FOOD, INC. mit den Großen und Mächtigen an. So kriegen die Nahrungsmittelkonzerne und die amerikanische Regierung ihr Fett weg. Schonungslos werden deren Machenschaften angeprangert.
Filmemacher Kenner hat über 6 Jahre seines Lebens in diesen Dokumentarfilm investiert und nimmt uns mit auf eine eineinhalbstündige Reise durch die Nahrungsmittelerzeugungsindustriemaschinerie. Ein Blick über den Tellerrand der USA hinaus findet dabei nicht statt, aber Amerika hat auch wie kein anderes Land mit der Überfettung der Nation zu kämpfen.

FOOD, INC. – der Film

Robert Kenner will den Schleier über den ganzen Zyklus von der Herkunft, Verarbeitung, Herstellung und dem Verkauf von Lebensmitteln lüften. Er zeigt auf, dass nicht nur Tiere misshandelt, sondern auch Menschen im Namen der Nahrungsmittelproduktion missbraucht werden. Es gelingt ihm dabei, den Zuschauer zum Reflektieren des eigenen Konsumverhaltens anzuregen. FOOD, INC. klärt auf, ohne ein Feigenblatt vor den Mund zu nehmen.

Die Kamera zeigt Hühner mit einer übergroßen Brust, deren Streichholzbeinchen unter dieser Last einknicken. Quer über die USA verteilte Fabriken, die von einer zentralen Kommandobasis aus gesteuert werden. Rinder, die bis in an die Knie in der eigenen Scheiße stehen. Industrialisierte Schlachthöfe, wo jeder Angestellte als Roboter fungiert und nur wenige Handgriffe macht, von heute auf morgen ersetzbar. Jede Menschenseele mit einem Funken Herz und Verstand springt auf die Fakten und Bilder an, doch manchmal überspannt Regisseur Kenner den Bogen und legt zu viel Gewicht auf tragische Einzelschicksale.

Wir lernen eine mexikanische Familie kennen, als Anschauungsobjekt für die Folgen der falschen Ernährung. Die ganze Sippe zieht sich beim Fast Food Drive-In einen Burger mit Fritten und Soda rein – weil sie sich keine Karotten und Äpfel leisten können! Deren kleine Tochter schleppt schon heute die Folgen dieser Ernährung auf den Rippen mit sich herum. Die Chancen, dass sie in wenigen Jahren an Diabetes erkranken wird, stehen gut. Der Vater kämpft bereits mit dieser Zivilisationskrankheit, und die Familie bangt, dass er seine Arbeit als Lastwagenfahrer verliert und sie nicht mehr versorgen kann.

Die Protagonisten bei FOOD, INC. sind Menschen, die mit der Industrie in irgendeiner Art und Weise in Kontakt kamen. Als Zuschauer bewundern wir die Farmerin für ihre Courage, trotz Drohungen mit dem Filmteam zusammen zu arbeiten. Andere Farmer sind mit Knebelverträgen zum Schweigen gebracht worden und treten nur verdunkelt vor der Linse auf.

FOOD, INC. – die Filmkritik

Der Filmemacher Robert Kenner verpasst die Gelegenheit, ein Commitment beim Publikum abzuholen, um aktiv etwas gegen die gezeigten Missstände zu unternehmen. Dem Film fehlt auch ein konstruktiver Dialog mit den Nahrungsmittelkonzernen – dass diese nicht zu einer Stellungnahme bereit waren klingt wie eine abgedroschene Plattitüde, um mit dem Finger auf diese Konglomerate zeigen zu können.

Aber FOOD INC. wäre kein Dokumentarfilm, wenn nicht auch die selbsternannten Experten ihre Weltanschauung kundtun können. Natürlich gibt Regisseur Kenner seinen Senf dazu, während er genüsslich einen Hamburger vertilgt. Und er lässt auch andere kritische Stimmen wie die von “Fast Food Nation” Journalist Eric Schlosser oder Bestseller-Autor Michael Pollan zu Wort kommen.

Erfrischend ist der Beitrag von Gary Hirshberg, CEO von Stonyfield, dem drittgrößten Joghurt-Erzeuger der USA. Der ökonomisch getriebene Konzern Walmart hat sich Stonyfield kurzerhand einverleibt und setzt damit auf biologische Produkte. Dies ist ein aufgehender Silberstreifen am Horizont und ein Ereignis mit Symbolcharakter, denn Walmart ist der größte Einzelhandelskonzern und das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, insbesondere bekannt für seine rigorose Preispolitik.
Hirshberg legt sich bewusst mit seinem ehemaligen Erzfeind ins Bett und nutzt dessen Marktmacht um die Bio-Joghurts unter das Volk zu bringen.

Von einer Trendwende zu sprechen wäre dabei verfrüht, doch der Kreis schließt sich und die Botschaft von FOOD, INC. ist klar: Die Gesellschaft ist sich der industrialisierten Nahrungsmittelerzeugung nicht bewusst. Der Film stopft diese Lücke und klärt auf, ein Manifest, dass eine neue Zeitrechnung beginnen soll, indem wir uns auf die alten Traditionen besinnen. Der Aufruf, auf dem lokalen Markt einkaufen, Selbstversorger zu werden oder sich mehr Informationen unter www.foodincmovie.com einzuverleiben ist ein guter Anfang. Guten Appetit!

Der Dokumentarfilm FOOD, INC. eröffnete am 8. Februar 2008 das Berlinale-Spezial “Kulinarisches Kino” und schaffte es bisher in ausgewählte Kinos in Amerika und Kanada.

DVD & BLU-RAY Disc zum Film

Die DVD zum Film FOOD, INC.: ab 3. November 2009 im Handel.

USA 2008
Kinostart Deutschland: k.A.
Regie: Robert Kenner
Buchvorlage: Karl Weber
Darsteller: Michael Pollan, Eric Schlosser
Produzenten:Robert Kenner, Elise Pearlstein
Ausführende Produzenten: William Pohlad, Robin Schorr, Diane Weyermann
Kamera: Richard Pearce
Schnitt: Kim Roberts
Musik: Mark Adler
Länge: 94 min

Studio/Verleih/Quelltext und Bildnachweis: magnolia pictures

Über den Autor: Reto Stuber ist freischaffender USA-Korrespondent und Außenposten für deutschsprachige KMUs. Er berichtet für Unternehmen in Deutschland und der Schweiz direkt aus dem Herzen von New York über die neusten Entwicklungen.
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Eine Antwort zu “FOOD, INC.”

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