geschrieben von Jens Klawonn am 12.Feb 2009
 EFFI BRIEST

EFFI BRIEST

Post Rating

EFFI BRIEST – der Film; Regie: Hermine Huntgeburth

An die kinogerechte Umsetzung von EFFI BRIEST, ein Klassiker Theodor Fontanes der zudem als Meilenstein in der deutschen Literatur gilt, wagte sich bereits 1974 Rainer Werner Fassbinder heran. Im Kinojahr 2009 erfolgte die Neuauflage durch Hermine Huntgeburth und ich war einigermaßen gespannt, ob die Romanverfilmung nicht dem gleichen cineastische Desaster anheimfällt, wie die insgesamt eher misslungene 2008`er Verfilmung des gesellschaftskritischen Zeitdokuments DIE BUDDENBROOKS von Thomas Mann.

Regisseurin Hermine Huntgeburth zählt zu den bekannten Filmschaffenden in der deutschen Kinowelt. Zu ihren bisherigen, herausragenden Arbeiten gehört u.a. die Bestsellerverfilmung DIE WEISSE MASSAI und selbst als Kinderfilmregisseurin, mit dem Kinoerfolg BIBI BLOCKSBERG, hat sich die Filmschaffende einen Namen gemacht.

Jetzt also das Ehebruchdrama EFFI BRIEST, nach dem 1895 erstmals erschienenen Roman. Produziert wurde der Film von Prof. Dr. Günter Rohrbach, der bereits für DEN Blogbuster aller deutschen Filme DAS BOOT verantwortlich zeichnete und somit wohl für immer unvergessenen bleibt…

EFFI BRIEST

Im Ehebruchdrama EFFI BRIEST rechnete Theodor Fontane vordergründig vor allem mit dem Mief und dem gesellschaftlichen Dogma Preußens zum Ende des 19. Jahrhunderts ab. Verkommene Ehrvorstellungen, erdrückende Bürokratie und die völlig einengenden, gesellschaftlichen Konventionen machten vor allen den Frauen das Leben teilweise unerträglich.

Auch in Hermine Huntgeburth`s Kinofilm-Version geht es um eine Frau, die an der frauenfeindlichen Gesellschaft tragisch scheitert. Jedoch im Unterschied zum Buchklassiker Fontanes gibt es ein zwar verhaltenes, aber dennoch optimistisches Ende.
Im Gegensatz zum Buch, in dem Fontane seine Romanfigur bei dem Versuch ihr eigenes Leben zu leben sterben lässt, kann Effi bei Hermine Huntgeburths Interpretation weiterleben und als “Single” wieder ein neues Leben beginnen…

EFFI BRIEST

Die bereits oft ausgezeichnete und für mich zu den Lieblingsschauspielern zählende Julia Jentsch (u.a. SOPHIE SCHOLL, DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI) spielt darin die Titelfigur.
Sie agiert in Anlehnung an den Roman als eine moderne und selbstbewusste Frau, welche sich nicht in typische Verhaltensmuster und gesellschaftliche Zwänge der damaligen Zeit pressen lässt.
Die Rolle ihres ungeliebten sowie wesentlich älteren Mannes: Geert von Innstetten kommt Sebastian Koch zu, der zu den Top-Darstellern des deutschen Filmgeschäfts gehört. Sein überragendes schauspielerisches Können zeigte er bereits u.a. in dem Drama DAS LEBEN DER ANDEREN an der Seite von Ulrich Mühe und in Reinhard Mohns Film ES MÜSSEN MEHR KÖPFE ANS DENKEN KOMMEN. Und Misel Maticevic, zuletzt in IM WINTER EIN JAHR, ist Effis Verführer – der Major von Crampas.

EFFI BRIEST – der Film

Effi wächst in der nach strengen Konventionen lebenden besseren Gesellschaft im Preußen des späten 19. Jahrhunderts auf.
Sie ist erst 17jährig als das junge Mädchen von den Eltern dazu gedrängt wird, den viel älteren und aristokratisch steifen Baron von Instetten zu heiraten.

Ihre Mutter (Juliane Köhler) ist natürlich der festen Ansicht, nur das Beste für ihre Tochter zu tun, denn Baron von Instetten ist das, was man wohl damals – eine gute Partie – nannte. Jedoch schon ihre Hochzeitsnacht wird die Hölle. Instetten ist einfach ein lausiger und rücksichtloser Liebhaber…
Ziemlich frustriert, um es neudeutsch auszudrücken, lernt sie später den jungen Lebemann Major Crampas kennen und durch ihn erfährt Effi was Liebe sein kann…

Als von Instetten Jahre wenig später von dem Betrug seiner Frau erfährt, tötet er den Widersacher im Duell. Effi wird von ihm verstoßen bzw. gesellschaftlich verbannt und auch der Umgang mit der gemeinsamen Tochter wird ihr verboten…

EFFI BRIEST – die Filmkritik

Wie ich schon vermutet hatte, gewinnt Regisseurin Hermine Huntgeburth dem Roman EFFI BRIEST in der erneuten Verfilmung tatsächlich auch neue Seiten ab. Alles ist modern gehalten bzw. inszeniert und so sucht man die schöne, literarisch anspruchsvolle Sprache Fontanes eher vergeblich.

Jedoch bin ich sowieso der Ansicht, dass man das geschriebene Buch nicht seitenweise mit der anschließenden Filmumsetzung vergleichen sollte. Einfach besser wäre es, die künstlerische Freiheit des Regisseurs zu akzeptieren, denn es würde ja auch niemand auf die Idee kommen zu versuchen, beispielsweise Äpfel und Birnen auf eine geschmackliche Linie zu bringen ;)

Andere Vergleiche hingegen drängen sich indes geradezu auf. So beginnt EFFI BRIEST -analog zur Verfilmung der BUDDENBROOKS- ebenfalls mit einer Ballszene. Und dieser Film benötigt ebenso eine gute halbe Stunde, bevor etwas Atmosphäre entsteht.
Desweiteren hat aus meiner Sicht, die Art und Weise wie die Liebes- und Nacktszenen künstlerisch umgesetzt wurden, starke Parallelen zu dem Film WOLKE 9 von Andreas Dresen. Keine romantische oder leise Musik im Hintergrund und kein weiches Licht, welches die Darsteller umschmeichelt.
Alles was Fontane an Ambivalenzen sah, was er andeutungsweise und phantasievoll (be)schrieben hat, wird hier mit einem direkten und somit eher “unerotische” Kamerastil, der sicher realistisch aber nicht stimmungsvoll wirkt, auf die Leinwand gebracht.
Ja – und wer will schon alle Leberflecke und kleine Makel bei Julia Jentsch zählen?! ;)
Diese Art der Umsetzung ist nicht mein Geschmack, denn er schafft eine eher irritierende Stimmung und künstliche Stille! U.a. deshalb ist diesmal nicht Julia Jentsch die besagte Augenweide, sondern eine sehr gelungene Besetzung der Nebenrollen.

Ausgesprochen gut hat mir in diesem Zusammenhang Juliane Köhler -die Mutter von Effi- und Barbara Auer als intrigante Hausdame sowie Geert von Innstettens gefallen. Ein besonderes, schauspielerisches Highlight ist Rüdiger Vogler in der charismatischen Rolle des Dorfapothekers.
Erst diese drei Protagonisten sind es schließlich, welche der 2009`er Verfilmung schließlich jene “Seele” einhauchen, die ein Film braucht, um den Zuschauer in sein Bann zu ziehen…
Fazit: ansehenswert jedoch durchschnittlich!

DVD & BLU-RAY Disc zum Film

Die DVD zum Film EFFI BRIEST: ab 23. Juli 2009 im Handel.

Deutschland 2009
Kinostart: 12.2.2009
Regie: Hermine Huntgeburth
Darsteller: Julia Jentsch, Sebastian Koch, Juliane Köhler, Ludwig Blochberger, Misel Maticevic u.a.
FSK: 12
Laufzeit: 118 Minuten

Studio/Verleih und Bildnachweis: Constantin-Film

Play Video
weiter Infos
weitere Filme aus diesem Genre: Artikelstats: Gelesen: 6507 · heute: 10 · zuletzt: 2. September 2010
Ihre Meinung


Eine Antwort zu “EFFI BRIEST”

  1. [...] Der Wettbewerb steht unter der Schirmherrschaft der Hamburger Regisseurin Hermine Huntgeburth (u.a. EFFI BRIEST). [...]

Ihr Kommentar